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Entscheidende Momente

Entscheidende Momente zeigt, was im Praxisalltag oft unter der Oberfläche wirkt: wie Menschen unter Druck reagieren, warum daraus Spannung entsteht und was Zusammenarbeit im Team wirklich stärkt.

Junge Tierärzt:innen im Team

Junge Tierärzt:innen brauchen mehr als Fachwissen: Sie brauchen Führung, die Orientierung gibt, Entwicklung ermöglicht und Generationen verbindet. Wer klug begleitet, stärkt Selbstvertrauen, Teamkultur und langfristig den Erfolg der Praxis.

Was Menschen ins Tun bringt

Motivation entsteht selten durch Druck. Sie wächst, wenn Aufgabe, Zustand und Sprache zusammenpassen. Wer das erkennt, führt klarer, wirksamer und kommt selbst im Praxisalltag leichter wieder wirklich ins Handeln zurück.

Gute Kritik ist nicht hart, sondern klar. Zwischen einem Gespräch, das kränkt, und einem, das wirklich weiterhilft, liegt oft nur ein feiner Unterschied. Hier liest du, wie du Kritik so ansprichst, dass sie etwas in Bewegung bringt.

Kritik, die nicht verletzt

Entscheidende Momente

Was im Praxisalltag wirklich Spannung erzeugt

Nicht jede Spannung im Team entsteht durch Stress, volle Terminkalender oder Personalmangel. Oft beginnt sie viel früher. In dem Moment, in dem etwas kippt und jemand reagieren muss.

 

Eine Beschwerde kommt herein. Der Terminplan gerät ins Rutschen. Ein Notfall drängt dazwischen. 

  • Die eine Person entscheidet sofort. 
  • Die nächste will erst sortieren. 
  • Wieder jemand anderes stößt etwas an, bleibt aber nicht dran.

Genau dort entsteht Reibung. Nicht, weil jemand es schlecht meint. Sondern weil Menschen in entscheidenden Momenten unterschiedlich handeln.

 

Was dabei leicht übersehen wird: 

  • Was uns an anderen im Alltag stört, ist häufig genau das, was unserer eigenen Art zu reagieren entgegensteht. 
  • Für den einen ist Tempo Klarheit. Für die andere ist es Druck. 
  • Für den einen sind Rückfragen Sorgfalt. Für die andere wirken sie wie Zögern.

Vielleicht geht es also nicht zuerst um das Problem selbst. Vielleicht geht es darum, besser zu verstehen, wie Menschen unter Druck reagieren.

 

Denn Zusammenarbeit wird nicht nur durch Entscheidungen geprägt. Sondern durch die Art, wie wir in entscheidenden Momenten miteinander umgehen.





Wenn Rückfragen plötzlich anstrengend wirken

Eigentlich ist die Frage harmlos. „Wie genau sollen wir das ab jetzt machen.“ Und trotzdem löst sie in manchen Situationen erstaunlich viel aus. 

  • Ungeduld. 
  • Gereiztheit. 
  • Den Gedanken, dass das doch längst klar sein müsste.

Gerade im Praxisalltag passiert das schnell. Unter Druck wirken Rückfragen oft wie Bremsen. Als würde jemand den Ablauf aufhalten, obwohl es einfach weitergehen müsste.

 

Nur ist eine Rückfrage nicht automatisch ein Zeichen von Unsicherheit. Oft ist sie der Versuch, Verantwortung sauber zu übernehmen.

  • Wer schnell entscheidet, erlebt sie leicht als störend. 
  • Wer gründlich arbeitet, versteht sie eher als Teil von Verlässlichkeit.

Genau hier kippt die Wahrnehmung. Dieselbe Rückfrage kann für die eine Person hilfreich sein und für die andere anstrengend.

 

Vielleicht geht es deshalb nicht nur darum, ob jemand fragt. Sondern auch darum, was diese Frage im Gegenüber auslöst.

Denn nicht jede Rückfrage bremst. Manche verhindern, dass später aus kleinen Unklarheiten große Probleme werden.





 

Wenn Tempo hilft und Ruhe Orientierung gibt

Schnelligkeit gilt im Praxisalltag oft als Stärke. Wer rasch reagiert, entscheidet, übernimmt und bringt Dinge ins Rollen, entlastet das Team. Gerade dann, wenn es eng wird.

 

Und doch kippt Tempo manchmal. Was für die eine Person nach Klarheit aussieht, fühlt sich für die andere nach Druck an. Entscheidungen fallen schnell, aber nicht alle können gedanklich mitgehen. Dann entsteht nicht Entlastung, sondern innere Anspannung.

 

Gleichzeitig wird Ruhe oft unterschätzt, weil sie nicht spektakulär wirkt. 

Dabei ist sie in vielen Momenten genau das, was ein Team braucht. Nicht als Zögern, sondern als innere Stabilität. Wer ruhig bleibt, gibt oft mehr Orientierung als jemand, der nur schnell ist.

 

Interessant ist also nicht nur, wie rasch jemand handelt. Entscheidend ist, ob andere noch anschließen können.

Vielleicht braucht es im Team deshalb nicht einfach mehr Tempo oder mehr Gelassenheit. Sondern mehr Gespür dafür, was eine Situation gerade wirklich verlangt.

 

Denn gute Entscheidungen wirken erst dann gut, wenn sie im Team auch tragfähig ankommen.





 

Warum Schweigen und Unklarheit Teams Kraft kosten

Nicht immer ist es der offene Konflikt, der ein Team belastet. Oft sind es die unausgesprochenen Dinge. 

  • Eine Irritation, die im Raum steht. 
  • Eine Entscheidung, die ausbleibt. 
  • Eine Zuständigkeit, die niemand klar benennt.

Nach außen wirkt das leicht unspektakulär. Nach innen kostet es erstaunlich viel Energie. 

Menschen beginnen 

  • zu interpretieren, 
  • sich abzusichern oder 
  • vorsichtiger zu werden. 

Nicht weil sie schwierig sind, sondern weil Orientierung fehlt.

 

Schweigen beruhigt eine Situation nämlich nicht automatisch. Manchmal hält es sie nur fest. Was nicht angesprochen wird, verschwindet nicht. Es wandert oft in die Stimmung des Teams und wird dort mitgetragen.

 

Und genau darin liegt die eigentliche Belastung. 

Unklarheit wirkt leiser als Druck, bindet aber oft mehr Kraft, weil sie länger nachwirkt.

 

Vielleicht ist deshalb nicht die unperfekte Entscheidung das größere Problem. Sondern die, die zu lange ausbleibt oder nie klar ausgesprochen wird.

 

Denn ein Team kann mit vielem umgehen. Am schwersten ist oft das, was in der Schwebe bleibt.





 

Wenn Verantwortung im Alltag weiterwandert

Im Alltag einer Praxis passiert das schnell. Eine Entscheidung ist unangenehm, heikel oder unklar. 

  • Also wartet man noch. 
  • Gibt sie weiter. 
  • Hofft, dass jemand anders sie trifft. 

Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil der Moment schwierig ist.

 

Nach außen wirkt das oft harmlos. Nach innen entsteht etwas anderes. Verantwortung beginnt zu wandern. Und mit ihr die Unsicherheit.

 

Was wie ein kleines Ausweichen aussieht, hat im Team oft größere Folgen. Denn Verantwortung verschwindet nicht, wenn sie nicht übernommen wird. Sie landet fast immer irgendwo. Bei denen, die auffangen, mitdenken oder still kompensieren.

 

Genau dort beginnt auf Dauer Überlastung. Nicht nur durch zu viel Arbeit, sondern durch zu viel Unklarheit darüber, wer wofür wirklich zuständig ist.

 

Vielleicht liegt gute Zusammenarbeit deshalb nicht nur darin, Aufgaben fair zu verteilen. Sondern auch darin, Verantwortung dort zu lassen, wo sie hingehört.

 

Denn Teams werden selten nur durch hohe Belastung müde. Oft werden sie müde, weil sie zu lange tragen, was eigentlich klar entschieden werden müsste.



 



Wenn Feedback und Grenzen anders wirken als gemeint

Feedback soll helfen. Grenzen sollen schützen. 

Beides ist im Praxisalltag wichtig. Und trotzdem wird beides erstaunlich oft falsch gelesen.

  • Ein Hinweis ist schnell gesagt, trifft aber anders, als er gemeint war. 
  • Eine klare Grenze wird benannt und wirkt auf manche gesund und professionell, auf andere reserviert oder wenig belastbar. 

 

Gerade unter Druck passiert das leicht. Dann geht es nicht mehr nur um Inhalt, sondern um Wirkung.

  • Wer angespannt Rückmeldung gibt, sendet oft mehr mit als Worte. 
  • Und wer eine Grenze zieht, wird nicht automatisch verstanden. 

Vor allem dann nicht, wenn im Team sehr unterschiedliche Vorstellungen davon herrschen, was Einsatz, Loyalität oder Verlässlichkeit bedeuten.

 

Oft wird genau das verwechselt. 

  • Nicht jede Grenze ist ein Rückzug aus Verantwortung. 
  • Und nicht jedes Feedback ist schon hilfreich, nur weil es sachlich gemeint war.

Vielleicht braucht es deshalb in beidem weniger Routine und mehr Bewusstheit. 

  • Wie spreche ich gerade. 
  • Und was löst mein Verhalten beim Gegenüber aus.

Denn gute Zusammenarbeit lebt nicht nur von Klarheit. Sondern auch davon, wie Klarheit beim anderen ankommt.

Junge Tierärzt:innen im Team

Wie Führung Sicherheit und Souveränität schafft

Der Alltag in einer Praxis hat wenig mit der geschützten Logik der Ausbildung zu tun. 

 

Hier treffen fachliche Entscheidungen auf Zeitdruck, emotionale Tierhalter und Situationen, in denen nicht alles planbar ist. Junge Kolleg:innen brauchen in diesen Momenten mehr als Einarbeitung. Sie brauchen Orientierung, Klarheit und Führung, die sie wachsen lässt, ohne sie allein zu lassen.

 

Viele erfahrene Tierärztinnen und Tierärzte erleben die junge Generation als 

  • anders. 
  • vorsichtiger, 
  • kritischer, 
  • weniger bereit, sich dauerhaft über die eigenen Grenzen hinweg zu verausgaben. 

Manche erleben das als anstrengend, manche als fehlendes Engagement.

 

Doch dieser Blick greift oft zu kurz.

 

Denn viele junge Tierärzt:innen wollen Verantwortung übernehmen, gute Medizin machen und sich entwickeln. 

Was ihnen häufig fehlt, ist nicht Einsatzbereitschaft, sondern Sicherheit im Umgang mit 

  • Druck, 
  • Komplexität und 
  • Erwartung. 

 

Genau hier zeigt sich gute Führung. 

  • Nicht darin, alles abzunehmen. 
  • Und auch nicht darin, einfach Härte zu fordern. 
  • Sondern darin, den richtigen Rahmen zu schaffen: fordern, zutrauen, begleiten.

 

 

Vielleicht liegt genau hier der eigentliche Punkt. 

 

Die junge Generation stellt nicht nur neue Ansprüche an Führung. Sie macht sichtbar, was in vielen Praxen lange gefehlt hat: 

  • klare Kommunikation, 
  • gesunde Grenzen, 
  • echte Entwicklung und einen 
  • bewussteren Umgang mit Verantwortung.

 

Was heute an jungen Kolleg:innen manchmal irritiert, ist deshalb womöglich auch ein Spiegel. Nicht für fehlende Belastbarkeit, sondern für eine Arbeitskultur, in der früher vieles ausgehalten, aber wenig reflektiert wurde. Viele erfahrene Kolleg:innen haben genau so gelernt. Sie haben funktioniert, getragen und durchgehalten. Dass die Jüngeren heute andere Fragen stellen, kann unbequem sein. Aber genau darin liegt auch eine Chance.

 

Es geht nicht nur darum, ob die nächste Generation belastbar genug ist. Es geht auch darum, ob Führung heute bereit ist, dazuzulernen. Wer junge Kolleg:innen nur an alte Maßstäbe anpassen will, verliert Potenzial. Wer sie dagegen klar begleitet, stärkt nicht nur deren Selbstvertrauen, sondern auch die Teamkultur und die Zukunftsfähigkeit der Praxis.

 

Genau deshalb sind Persönlichkeitsentwicklung und Coaching kein weiches Zusatzthema. Sie sind ein praktischer Hebel für gute Führung. Wer sich selbst besser kennt, kommuniziert klarer, bleibt unter Druck ruhiger und kann andere wirksamer begleiten.

 

Die nächste Generation muss also nicht nur lernen, wie Praxis funktioniert. Vielleicht zeigt sie uns auch, wie Führung heute besser funktionieren kann.

Was Menschen ins Tun bringt

Warum Motivation oft ganz anders entsteht, als wir glauben

Es gibt Tage in der Praxis, da läuft alles. Entscheidungen fallen leicht, Gespräche gelingen, selbst ein voller Tag wirkt irgendwie machbar. Und dann gibt es diese anderen Tage. Du hast nicht weniger Erfahrung, nicht weniger Verantwortung und oft nicht einmal weniger guten Willen und trotzdem kommst du innerlich nicht richtig in Bewegung.

 

Der erste Gedanke ist dann oft: 

  • Ich müsste disziplinierter sein. 
  • Oder motivierter. 
  • Oder einfach besser organisiert.

 

Aber meistens liegt es nicht daran.

Denn Motivation ist selten ein Problem von Faulheit. Sie stockt oft dort, wo Aufgabe und innerer Zustand nicht zusammenpassen.

 

Menschen kommen nicht ins Tun, weil man nur genug Druck macht. 

Sie kommen ins Tun, 

  • wenn etwas in ihnen anspringt. 
  • wenn eine Aufgabe Sinn ergibt. 
  • wenn eine Aufgabe Halt gibt oder Spielraum. 
  • wenn eine Aufgabe sich nicht nur erledigen lässt, sondern innerlich erreichbar wird.

Genau das wird im Praxisalltag ständig sichtbar.

 

Die Azubi, die heute voller Energie eine neue Idee für die Hygieneschritte entwickelt, braucht morgen vielleicht etwas ganz anderes. Vielleicht ist sie müde, unsicher oder innerlich schon zu voll. Dann hilft ihr kein offener Spielraum, sondern eine klare Anleitung. 

Der Tierarzt, der sonst gern Neues ausprobiert, will nach einem anstrengenden Vormittag vielleicht nicht noch kreativ denken müssen. Er braucht dann eher einen klaren Satz: "Du übernimmst jetzt die OP, ich halte dir den Rücken frei."

 

Genau das wird im Praxisalltag oft übersehen: 

  • Menschen kommen nicht immer auf dieselbe Weise ins Tun. 
  • Manche springen an, wenn sie gestalten, mitdenken und entwickeln dürfen. 
  • Andere dann, wenn Klarheit da ist, wenn Prioritäten greifbar werden und der nächste Schritt eindeutig ist. 
  • Und oft gilt beides für denselben Menschen, nur nicht am selben Tag.

Und genau hier beginnt gute Führung.

 

Nicht bei der Frage: Wie motiviere ich mein Team?

Sondern bei der Frage: Was braucht dieser Mensch gerade, um wieder ins Handeln zu kommen?

  • Manchmal ist das Freiheit. 
  • Manchmal Klarheit. 
  • Manchmal einfach das Gefühl, gesehen zu werden.

 

Auch bei dir selbst ist es nicht anders.

  • An manchen Tagen hilft dir ein sauberer Plan. Du priorisierst, delegierst, streichst Überflüssiges und spürst sofort wieder mehr Boden unter den Füßen. 
  • An anderen Tagen kommt plötzlich eine gute Idee auf und genau dann brauchst du nicht noch mehr Struktur, sondern Raum, damit dieser Gedanke nicht gleich wieder untergeht.

 

Das ist der Punkt, an dem Motivation oft missverstanden wird. 

Wir reden über sie, als wäre sie etwas, das man entweder hat oder eben nicht hat. Fast wie ein Persönlichkeitsmerkmal.

 

In Wirklichkeit ist sie oft eine Reaktion.

  • Auf Sprache.
  • Auf Atmosphäre.
  • Auf Führung.
  • Auf Druck.
  • Auf Orientierung.
  • Auf die Frage, ob etwas sich schwer und eng anfühlt oder klar und machbar.

 

Gerade Sprache spielt dabei eine größere Rolle, als viele denken.

 

Ob du im Team sagst: 

  • "So geht das nicht weiter", oder ob du sagst: 
  • "Lasst uns schauen, wie wir es klarer und ruhiger hinbekommen", macht einen Unterschied. 

Nicht, weil der Inhalt plötzlich ein anderer wäre. Sondern weil der zweite Satz einen Raum öffnet, in dem Denken und Mitgehen überhaupt noch möglich sind.

 

Dasselbe gilt nach innen.

Wenn du am Ende eines langen Tages denkst: 

  • "Ich schaffe das alles nicht mehr", wird innerlich alles enger. Wenn du stattdessen fragst: 
  • "Was davon ist heute wirklich noch dran", entsteht wieder Handlungsspielraum. Vielleicht nur ein kleiner. Aber oft reicht genau der, damit du wieder in Bewegung kommst.

 

Und darin liegt der eigentliche Dreh.

 

  • Nicht Motivation macht handlungsfähig.
  • Sondern das Gefühl, wieder handlungsfähig zu sein, bringt Motivation zurück.

 

Viele warten darauf, sich erst motiviert zu fühlen, bevor sie loslegen. Aber meistens läuft es andersherum. Erst wenn etwas klarer wird, überschaubarer oder stimmiger, kommt die Energie. Nicht vorher.

 

Vielleicht ist das auch der freundlichere Blick auf dich selbst und auf andere.

  • Nicht sofort zu denken: Warum zieht er nicht mit?
  • Nicht sofort zu denken: Warum kriege ich das gerade nicht hin?

Sondern zu fragen: Was fehlt hier gerade?

  • Mehr Klarheit?
  • Mehr Ruhe?
  • Mehr Freiheit?
  • Mehr Orientierung?
  • Mehr Sinn?

 

Führung bedeutet dann nicht mehr, Menschen anzuschieben. Sondern Bedingungen zu schaffen, unter denen Bewegung wieder möglich wird.

 

Und Selbstführung bedeutet, dir dieselbe Frage auch selbst zu stellen.

  • Nicht: Was stimmt nicht mit mir?
  • Sondern: Was brauche ich gerade, um wieder ins Tun zu kommen?

 

Vielleicht ist genau das im Praxisalltag so leicht zu übersehen. 

  • Nicht der Einsatz fehlt. 
  • Nicht die Verantwortung. 
  • Nicht der Wille.

Was oft fehlt, ist der richtige Zugang.

 

Wer das erkennt, führt anders. Klarer. Ruhiger. Wirksamer.

 

Denn Menschen brauchen nicht dauernd Antrieb von außen. Sie brauchen einen Rahmen, in dem sie wieder Orientierung, Spielraum und Wirksamkeit spüren.

 

Und manchmal beginnt genau das mit einem einzigen guten Satz. An dein Team. Oder an dich selbst.

Kritik, die nicht verletzt

Warum gute Führung nicht darin besteht, Klartext zu reden, sondern Klarheit zu schaffen

Kritik gehört zum Führen dazu.

 

Und trotzdem sind genau diese Gespräche oft heikel. Ein falscher Ton, ein zu harter Satz und plötzlich denkt dein Gegenüber nicht mehr über sein Verhalten nach, sondern nur noch darüber, wie unangenehm sich das Gespräch anfühlt.

 

Genau darin liegt das Problem.

 

Viele glauben, gute Kritik müsse vor allem 

  • mutig, 
  • direkt und 
  • schonungslos sein. 

In Wahrheit muss sie vor allem eines sein: klar. 

 

Denn Kritik soll nicht treffen. Sie soll etwas klären.

 

 

Vor dem Gespräch

Ein gutes Kritikgespräch beginnt nicht in dem Moment, in dem du den Mund aufmachst. Es beginnt vorher. Nämlich dann, wenn du dir selbst drei einfache Fragen beantwortest: 

  1. Was ist konkret passiert. 
  2. Was genau daran ist das Problem. 
  3. Und was soll künftig anders laufen.

 

Dieser Schritt wirkt klein, entscheidet aber oft über alles. Denn ohne innere Klarheit wird aus Kritik am Verhalten schnell ein Angriff auf die Person. Dann wird aus einer Beobachtung ein Vorwurf. Und aus Führung wird Frustabbau.

 

 

Im Gespräch

Im Gespräch selbst ist weniger meist mehr. 

  1. Sprich unter vier Augen. 
  2. Bleib bei einem konkreten Punkt. 
  3. Beschreibe, was du beobachtet hast, statt den Menschen zu bewerten.

 

Der Unterschied ist enorm.

  • Nicht: "Du bist in letzter Zeit einfach unzuverlässig."
  • Sondern: "Mir ist aufgefallen, dass du diese Woche zweimal zu spät zur Übergabe gekommen bist."

Im ersten Satz steckt ein Urteil über den Menschen. Im zweiten eine klare Rückmeldung über ein Verhalten. 

Und nur Verhalten lässt sich verändern.

 

 

Genau hier machen viele Führungskräfte den nächsten Fehler. Sie bringen gleich alles mit hinein, was sie schon länger stört. 

  • Die Verspätung. 
  • Der Ton im Teammeeting. 
  • Die vergessene Rückmeldung. 
  • Die Sache von letzter Woche. 

Jetzt wird aus Kritik schnell eine Sammelabrechnung. Und auf Sammelabrechnungen reagieren Menschen selten mit Einsicht. Meist reagieren sie mit Rechtfertigung.

 

 

Darum gilt: 

  1. ein Thema, 
  2. ein Gespräch, 
  3. eine klare Botschaft.

Auch Warum-Fragen helfen selten weiter. 

  • Warum war das schon wieder so?
  • Warum hast du nicht mitgedacht?
  • Warum klappt das nie?

Solche Fragen klingen offen, führen aber oft nur zu Ausreden. 

 

Hilfreicher ist es, beim Beobachtbaren zu bleiben und den Blick nach vorn zu richten: 

  1. Das ist passiert. 
  2. Das war nicht in Ordnung. 
  3. So wünsche ich es mir künftig.

 

Nach dem Gespräch

Viele Kritikgespräche scheitern nicht an der Kritik selbst, sondern an dem, was danach hängen bleibt. 

Wenn dein Teammitglied aus dem Gespräch geht und sich vor allem abgewertet fühlt, wird es 

  • vorsichtiger, 
  • angespannter oder 
  • innerlich auf Abstand gehen. 

Nicht klarer. Nicht verantwortlicher.

 

 

Deshalb ist das Ende so wichtig. 

  • Nicht weichgespült. 
  • Nicht künstlich freundlich. 

Sondern sauber. Mit der Botschaft: Ich spreche das an, weil es mir wichtig ist. Und weil ich dir zutraue, es besser zu machen.

 

Genau das ist der Unterschied zwischen Kritik, die verletzt, und Kritik, die wirkt.

 

Und genauso wichtig: Wenn das Gespräch vorbei ist, dann ist es vorbei. Hol dieselbe Sache nicht immer wieder hoch. Sonst verliert Kritik ihre Klarheit und wird zu etwas Zähem, das im Raum stehen bleibt.

 

 

Der eigentliche Dreh:

 

Viele denken, 

Kritik sei vor allem eine Frage von Deutlichkeit. Aber oft ist sie eher eine Frage von Disziplin. 

  • Nicht alles sagen, was einem gerade durch den Kopf geht. 
  • Nicht härter werden, nur weil man sich ärgert. 
  • Nicht den Menschen meinen, wenn man sein Verhalten ansprechen will.

 

Gute Kritik trennt sauber. 

  • Verhalten von Person. 
  • Klärung von Kränkung. 
  • Führung von Frust.

Und vielleicht ist genau das die stärkste Form von Führung: jemandem klar zu sagen, was nicht in Ordnung war, ohne ihn klein zu machen.

 

Denn Menschen verändern sich nicht besser, wenn sie sich angegriffen fühlen. Sie verändern sich eher dann, wenn sie merken: Hier ist jemand klar. Und fair.

 

Vielleicht kannst du dir dafür einen einfachen Satz merken: Erst klären, dann ansprechen, dann loslassen.

Mehr braucht ein gutes Kritikgespräch oft gar nicht.

Checkliste „Do’s & Don’ts beim Kritisieren“

Do’s beim Kritisieren

  • Unter vier Augen sprechen - niemals vor anderen.
  • Konkret bleiben - beschreibe beobachtetes Verhalten, keine Pauschalurteile.
  • Bei einem Punkt bleiben - nicht mehrere Themen sammeln.
  • Ich-Botschaften nutzen - eigene Wahrnehmung schildern statt „Wahrheiten“ verkünden.
  • Selbstreflexion ermöglichen - deinem Teammitglied Raum geben, das Verhalten selbst einzuschätzen.
  • Positiv abschließen - Stärken oder Wertschätzung klar benennen.
  • Abschließen und weitergehen - Kritik danach nicht wieder aufrollen.

 

Don’ts beim Kritisieren

  • Keine schriftlichen oder telefonischen Abrechnungen - direkte Begegnung ist nötig.
  • Nicht die Person kritisieren - trenne klar zwischen Mensch und Verhalten.
  • Keine Sammelabrechnung - Kritik nicht aufstauen, bis es zum Ausbruch kommt.
  • Keine Warum-Fragen stellen - das führt fast immer zu Rechtfertigungen.
  • Nicht über Fakten streiten - bleib bei deiner Beobachtung.
  • Kein Körperkontakt während der Kritik - kann unbewusst negativ verknüpft werden.
  • Nicht im Negativen enden - sonst bleibt Frust statt Veränderungsbereitschaft.

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